Überprüfung des European Statement of Principles (ESoP) für moderne Fahrzeug-HMIs

Ausgangslage & Herausforderung

Das European Statement of Principles (ESoP) definiert seit seiner letzten umfassenden Überarbeitung im Jahr 2006 wesentliche Mindestanforderungen für die Gestaltung von In-Vehicle Information Systems (IVIS), um eine sichere Durchführung der Fahraufgabe zu gewährleisten.

In den vergangenen 20 Jahren hat sich das Interaktionsdesign im Fahrzeug jedoch drastisch gewandelt: Stark vergrößerte Touchscreens, hochkomplexe Infotainment- und ADAS-Funktionen sowie multimodale Bedienkonzepte wie Sprach- und Gestensteuerung prägen heute das Cockpit. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob der historische ESoP-Standard noch den heutigen technologischen Anforderungen entspricht oder ob eine Überarbeitung und Erweiterung der Grundsätze notwendig ist.

Unser Ansatz & Methodik

Im Auftrag der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) haben die Experten der fka GmbH und des Instituts für Kraftfahrzeuge (ika) der RWTH Aachen University eine umfassende Untersuchung durchgeführt.

Das methodische Vorgehen stützte sich auf drei zentrale Säulen:

  1. Überprüfung konventioneller Systeme: Analyse von drei Oberklasse-Fahrzeugen hinsichtlich der Einhaltung klassischer ESoP-Grundsätze mittels einer strukturierten Experten-Checkliste.
  2. Transfer auf neue Interaktionskonzepte: Systematische Prüfung der Anwendbarkeit auf multimodale Eingabewege wie Sprach- und Gestensteuerung.
  3. Abgleich des Funktionsumfangs: Gegenüberstellung moderner Fahrzeug-Features (z. B. Internetbrowser, Videowiedergabe, erweiterte Sensor-Visualisierungen) mit den bestehenden Richtlinien.

Ergebnisse

Die Kernprinzipien des ESoP werden für visuell-manuelle Interaktionen im Wesentlichen nach wie vor eingehalten; Entwickler nutzen sie weiterhin als wertvolle Referenz.

Moderne Groß-Touchscreens verstoßen häufig gegen empfohlene Blickwinkel (z. B. den 30°-Bereich) und ergonomische Erreichbarkeitsgrenzen. Zudem widersprechen reine Unterhaltungsfunktionen (wie Karaoke oder Videos während der Fahrt) den ursprünglichen Schutzzielen.

Empfehlungen für die Normierung

fka empfiehlt eine gezielte Erweiterung des ESoP – insbesondere durch die Integration von Fahrerbeobachtungssystemen (Driver Monitoring Systems – DMS), Vorgaben für Sprachassistenten sowie ein übergreifendes Informations- und Warnmanagement zur Priorisierung sicherheitsrelevanter Ausgaben zwischen IVIS, ADAS und DMS.

Den vollständigen Forschungsbericht finden Sie hier.

Prof. Dr. - Ing. Adrian Zlocki Head of Automated Driving adrian.zlocki@fka.de
+49 241 8861 219

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