Radar zur Disruption in der Automobilbranche: Traditionelle Erstausrüster treiben den Wandel voran

  • Der Anteil von Elektroautos am weltweiten Fahrzeugabsatz steigt auf fast 7 %
  • Chinas Markt für Elektrofahrzeuge wird von einheimischen Autoherstellern dominiert
  • Die ersten Dienste mit vollständig autonomen Fahrzeugen werden voraussichtlich ab 2030 angeboten
Aachen, 28. Oktober 2021 – Das „Automotive Disruption Radar“ ist eine halbjährlich erscheinende Analyse der Markttrends im Zusammenhang mit disruptiven Entwicklungen in der globalen Automobilindustrie. Die neuesten Ergebnisse basieren auf Feldforschung und einer Befragung von mehr als 23.000 Autofahrern in 23 Märkten (Belgien, Brasilien, Kanada, China, Frankreich, Deutschland, Indien, Indonesien, Israel, Italien, Japan, Niederlande, Norwegen, Russland, Saudi-Arabien, Singapur, Südkorea, Spanien, Schweden, Thailand, Vereinigte Arabische Emirate, Vereinigtes Königreich, USA). Informationen stammen zudem aus externen Quellen wie führenden Mobilitätsexperten und wichtigen Branchenberichten.
Seit April 2021 ist auch die fka GmbH Partner von ADR. Das Aachener Unternehmen erstellt in Zusammenarbeit mit den anderen Partnern Studien und Publikationen. Nun macht fka auf die neueste Studie von ADR aufmerksam. Die Ergebnisse können Sie im Folgenden nachlesen:

Auch wenn die Automobilindustrie nach wie vor mit den Auswirkungen der Covid-19-Pandemie zu kämpfen hat, ist die Revolution durch neue Technologien nicht aufzuhalten. Dies ist eines der Ergebnisse der neuesten „Automotive Disruption Radar“ (ADR)-Studie von Roland Berger. Der zweimal jährlich erscheinende Bericht erfasst 26 Indikatoren für den Wandel in der Automobilbranche in 23 Ländern. Die zehnte Ausgabe der Studie verdeutlicht, wie große Fortschritte die Branche seit der Veröffentlichung der ersten Analyse Anfang 2017 gemacht hat. Der Anteil der verkauften Elektro- und Plug-in-Hybridfahrzeuge am gesamten weltweiten Fahrzeugabsatz ist von 1,5 % im Jahr 2017 auf 6,9 % in diesem Jahr gestiegen. Die Anzahl der Ladestationen pro 100 km hat sich mehr als verfünffacht. Und während viele der großen Automobilhersteller anstreben, dass bis 2030 50 % ihrer Neuwagen batterieelektrisch sein sollen, wünschen sich vier von zehn Befragten, dass bis zu diesem Zeitpunkt der Verkauf von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor vollständig eingestellt wird.

„Elektrofahrzeuge haben im vergangenen Jahr ihren Durchbruch geschafft, und die neuesten Ergebnisse zeigen nun einen deutlichen Sprung nach vorne bei allen Elektrifizierungsindikatoren“, sagt Wolfgang Bernhart, Partner bei Roland Berger. „Trotz der Covid-19-Pandemie gewinnen die Entwicklungen rund um disruptive Mobiltechnologien, die die Elektro-Revolution und das autonome Fahren vorantreiben, an Fahrt.“

Der Übergang von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor (ICE) zu vollelektrischen Fahrzeugen (EVs) wird nicht nur durch das Aufkommen rein elektrischer Marktneulinge und den Druck zur Reduzierung der Flottenemissionen vorangetrieben. Viele traditionelle Automobilhersteller haben sich inzwischen an die Spitze der Elektro-Revolution gesetzt, wobei einige planen, bis 2050 CO₂-Neutralität zu erreichen. Die Schritte der großen Automobilhersteller entsprechen den Wünschen der Kunden: 60 % der potenziellen Käufer erwägen den Kauf eines Elektrofahrzeugs, und 40 % unserer Befragten würden es begrüßen, wenn der Verkauf von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor bis 2030 eingestellt würde.

Elektroautos verzeichnen in Skandinavien die stärkste Marktdurchdringung

Die Niederlande führen wie schon so oft in den vergangenen Jahren erneut das „Automotive Disruption Radar“-Ranking an, gefolgt von China, Schweden und Singapur. Unter den fünf Neuzugängen dieses Jahres (Norwegen, Israel, Brasilien, Thailand und Indonesien) liegt Norwegen an der Spitze und belegt direkt den fünften Platz hinter Singapur.
Das nordische Land verzeichnet mit 79 % einen hohen Anteil von Elektrofahrzeugen (EV) und Plug-in-Hybridfahrzeugen (PHEV) am gesamten Fahrzeugabsatz. Zum Vergleich: Das zweitplatzierte Schweden erreicht 39 % und das drittplatzierte Deutschland nur 19 %. Thailand baut derzeit große Kapazitäten für die Herstellung von Elektro- und Plug-in-Hybridfahrzeugen auf, während Indonesien dank seiner bedeutenden Rohstoffvorkommen den Aufbau einer Batteriezellenproduktion plant.

Auch beim Ausbau der Ladeinfrastruktur machen die Automobilnationen gute Fortschritte. Südkorea ist mit 75,2 Ladestationen pro 100 km Straße klarer Spitzenreiter bei der Ladedichte. Die Niederlande folgen mit etwas Abstand mit 21,9 Ladestationen auf derselben Strecke. Tatsächlich hat sich die Zahl der Ladestationen pro 100 km seit der ersten ADR-Ausgabe weltweit von 0,5 auf 2,8 mehr als verfünffacht.

Chinas Markt für Elektroautos bietet ausländischen Automobilherstellern kaum Chancen

Weitgehend unbemerkt von der Außenwelt dringen Elektroautos weiterhin in den chinesischen Markt vor. Neben der Möglichkeit, Fahrzeuge nach eigenem Geschmack ausstatten zu lassen, waren die Kosten ein wichtiger Faktor für den Erfolg von Elektrofahrzeugen bei chinesischen Verbrauchern, da kleinere Modelle bereits ab rund 4.200 US-Dollar erhältlich sind. Fast alle der zehn meistverkauften Elektrofahrzeugmodelle, die in der ersten Hälfte des Jahres 2021 in China verkauft wurden, stammten von chinesischen Automobilherstellern.

Durchbruch für autonomes Fahren im Jahr 2030?

Fortschritte im Bereich des autonomen Fahrens standen erneut im Fokus der Studie. Die Menschen in asiatischen Ländern sind weitaus zuversichtlicher, dass vollautonome Fahrzeuge bald den Durchbruch auf dem Markt schaffen werden. In Südkorea glauben 40 % der Befragten, dass vollautonome kommerzielle Mobilitätsdienste innerhalb von neun Jahren einsatzbereit sein werden – eine Meinung, die 30 % der Menschen in Deutschland und den Vereinigten Staaten teilen. Gleichzeitig sind weltweit 73 % der Befragten der Meinung, dass ihr Land im Bereich der rechtlichen Rahmenbedingungen und der Infrastruktur nicht genug unternimmt, um die breitere Einführung der Technologie zu unterstützen.

Der stetige Anstieg der Patentzahlen im Bereich des autonomen Fahrens ist ein weiterer Indikator für den Fortschritt: Der Anteil der Patente für autonome Fahrzeuge und Funktionen an allen Patenten für Fahrtechnologie stieg von 2,2 % im Jahr 2017 auf 5,8 % in der aktuellen Studie.

„Wir beobachten eine rege Aktivität auf dem Markt, doch die Frage, wie die Automobilhersteller mit Dienstleistungen rund um autonome Fahrzeuge Geld verdienen werden, bleibt unbeantwortet“, sagt Stefan Riederle, Automobilexperte bei Roland Berger. Tragfähige und langfristige Geschäftsmodelle werden noch erarbeitet. „Unserer Meinung nach gibt es drei entscheidende Faktoren für OEMs: das Angebot bester Konnektivität, also Hochgeschwindigkeits-Internet; die Nutzung einer hochwertigen, individuell anpassbaren Innenausstattung; sowie die Bereitstellung attraktiver direkter Dienste und Infotainment-Inhalte.“

Die vollständige Studie steht hier zum Download bereit.

Unternehmen hinter der ADR-Plattform:

Automotive World ist eine führende B2B-Publikation für den Mobilitätssektor. Sie stützt sich auf ein globales Netzwerk von Fachautoren, um aufschlussreiche Artikel, Berichte, Datensätze, Prognosen, Webinare und Konferenzen zu erstellen. Derzeit konzentriert sich Automotive World auf vernetzte und autonome Fahrzeugtechnologie, urbane und geteilte Mobilität, fortschrittliche Antriebstechnologien und die Zukunft des Lkw-Verkehrs.

Julian Refghi M.Sc. Head of Marketing & Communication julian.refghi@fka.de
+49 241 8861 227

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